Vorsicht bei Fahrten in das Krisengebiet

Der Krieg in der Ukraine erschüttert uns alle. Dass mitten in Europa wieder mit Waffengewalt ein Konflikt ausgetragen wird, galt bis vor kurzem noch als undenkbar. Angesichts des unglaublichen Leids, das die Menschen in der Ukraine tagtäglich erleben, ist die Hilfsbereitschaft in Deutschland überwältigend groß. Das gilt für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen hier genauso wie für die Unterstützung der Menschen, die die Ukraine nicht verlassen können oder wollen.

Immer mehr Anfragen erreichen daher unsere Kundenberaterinnen und -berater zum Versicherungsschutz bei Fahrten in die Ukraine. Hier haben wir die wesentlichen Informationen für unsere Kunden zusammengestellt. Gleichzeitig bitten wir Sie aber, Fragen dazu immer mit den Ihnen bekannten Kundenberaterinnen und -beratern zu besprechen, eine Prüfung anhand des einzelnen Versicherungsvertrags ist immer sinnvoll.

Darüber hinaus möchten wir grundsätzlich darauf hinweisen, dass Fahrten in die Ukraine zum derzeitigen Zeitpunkt mit einem sehr hohen Risiko für Leib und Leben verbunden sind. Das gesamte Land gilt als Kriegsgebiet. Die Kampfhandlungen beschränken sich nicht mehr nur auf den Osten des Landes und die Hauptstadt Kiew sowie weitere große Städte. Wie immer wieder in den Nachrichten zu sehen und zu hören ist, werden auch im westlichen Landesteil Luftschläge und Raketenangriffe geführt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät dringend davon ab, in die Ukraine oder in das Grenzgebiet der Anrainerstaaten zu fahren. Das gefährde die koordinierten Hilfsmaßnahmen, letztlich gefährde man damit aber auch sich selbst und andere.

Wie ist es um den Versicherungsschutz bestellt?

Unfallversicherung:

Grundsätzlich gibt es in allen Versicherungssparten eine sogenannte Kriegsausschlussklausel, die besagt, dass durch kriegerische Handlungen, Terror, Unruhen oder Staatsgewalt hervorgerufene Schäden nicht versichert sind. Dies gilt für unmittelbar dadurch entstandene Schäden, in verschiedenen Versicherungssparten und -verträgen aber auch für mittelbar auf Kriegsereignisse zurückzuführende Versicherungsfälle.

Durch die besonderen Versicherungsbedingungen unserer Unfallversicherungsprodukte für Kirchen, Sozialwirtschaft und Gesundheitswesen stehen die über uns versicherten Mitarbeitenden unserer Kunden aber besser dar, weil sie unter Umständen auch in sehr gefährlichen Situationen noch Hilfe leisten. In unseren Bedingungen gilt daher der sogenannte „passive Kriegsausschluss“. Das heißt, der Unfallversicherungsschutz besteht, so lange die versicherte Person nicht aktiv an Kriegshandlungen oder ähnlichem teilnimmt. Humanitäres Handeln ist keine Teilnahme an einer kriegerischen Aktion. Insofern gilt in der Regel in unseren Vertragswerken auch der Unfallversicherungsschutz bei einer humanitären Hilfsaktion in der Ukraine.

Die Versicherung gilt in der Regel (je nach Vertragsgestaltung) rund um die Uhr, also auch zu Zeiten, in denen der gesetzliche Unfallversicherungsschutz greift. Allerdings ist der privatwirtschaftlich organisierte Unfallversicherungsschutz mit unseren Bedingungen als Kapitalabsicherung gedacht. Zum Beispiel, um die Folgen eines Unfalls aufzufangen, etwa durch einen rollstuhlgerechten Umbau einer Wohnung oder ähnliches. Daher stellt sich die Frage, inwieweit auch die gesetzliche Unfallversicherung eintritt, wenn zum Beispiel Ehrenamtliche im Ausland eingesetzt werden sollen oder sich im Ausland engagieren wollen. Die Berufsgenossenschaft für Wohlfahrtspflege weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass der gesetzliche Unfallversicherungsschutz nur besteht, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit zugunsten einer Gebietskörperschaft oder einer kirchlichen oder wohlfahrtspflegerischen Einrichtung geschieht. Versicherungsschutz im Ausland kommt zudem nur in Betracht, wenn der Betreffende schon vorher oder hinterher für die Organisation auch im Inland tätig war oder tätig wird.

Kraftfahrzeugversicherung:

Für in Deutschland versicherte Fahrzeuge, die in der Ukraine unterwegs sind, haben sich nach dem bisherigen Informationsstand durch die Kriegshandlungen Änderungen im Versicherungsstatus ergeben. Das gilt unter anderem für den Kaskoversicherungsschutz.

Nach Auskunft der Assekuranz besteht weiter Versicherungsschutz für Fahrzeuge im europäischen Raum gemäß den allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB). Sofern sich das Fahrzeug aber in der Ukraine aufhält, müssen für den Kaskoversicherungsschutz sowie auch für Schutzbriefe, Unfall- und Fahrerversicherungsschutz Ausschlussklauseln beachtet werden.

Diese Ausschlussklauseln lauten in der Regel so:

„Kriegsereignisse, innere Unruhen, Maßnahmen der Staatsgewalt:

Kein Versicherungsschutz besteht für Schäden, die durch Kriegsereignisse, innere Unruhen oder Maßnahmen der Staatsgewalt unmittelbar oder mittelbar verursacht werden.“

Das heißt, in der Regel besteht für Fahrzeuge, die in Deutschland zugelassen sind, kein Versicherungsschutz in den genannten Sparten mehr, wenn sie auf ukrainischem Territorium unterwegs sind. Denn das gesamte Land gilt nunmehr als Kriegsgebiet. Unter Umständen sind für Hilfstransporte großer und in dieser Hinsicht erfahrener Organisationen Ausnahmegenehmigungen der Versicherer zu erlangen. Dies ist aber nur im Einzelfall möglich. Informieren Sie uns bitte generell über geplante Fahrten in die Ukraine. Wir klären dann alles Weitere mit Ihrem Versicherer.