LEITUNGSWASSERSCHÄDEN: DIGITALER SCHUTZ

Der technische Schutz vor Leitungswasserschäden hat drei Komponenten: Schaden erkennen – Leitungsstrang absperren – Techniker alarmieren.

Durch die Digitalisierung ergeben sich heutzutage in diesen drei Bereichen neue Ansätze für einen effektiven Schutz. Die Möglichkeiten dazu seien noch längst nicht ausgeschöpft, vielmehr stehe man erst ganz am Anfang der Entwicklung, berichtet Mario Besseling im Gespräch.

Er verantwortet den digitalen Bereich des Armaturenherstellers Hans Sasserath GmbH & Co. KG in Korschenbroich. Unter dem Markennamen SYR vertreibt das Unternehmen Produkte zur Schadenminderung. Denn: „Leckagen im Leitungsnetz können Sie auf Dauer nicht verhindern. Aber Sie können die Auswirkungen minimieren“, sagt Mario Besseling.

Digitale Geräte überwachen die Leitungen

Dabei gehe es nicht allein darum, über einen Feuchtigkeitsmesser im Raum zu erkennen, dass offenbar Wasser austritt. Moderne Geräte könnten vielmehr feststellen, wenn zu viel und zu lange Wasser durch ein Rohrsystem fließe, und dann die Leitung selbstständig absperren. Moderne Geräte seien heute zudem in der Lage, miteinander zu kommunizieren, und bildeten so ein Überwachungsnetzwerk. Das ermögliche wiederum, einzelne Abschnitte des Rohrsystems engmaschiger zu kontrollieren. So müsse nicht gleich die gesamte Wasserversorgung gestoppt werden, wenn in einem Abschnitt eine Leckage festgestellt worden sei.

Geräte dieser Art messen laut Besseling das Wasservolumen, das normalerweise in einer bestimmten Zeit abgenommen wird. Meldet das System dauerhaft höheren Verbrauch, könnte das bei sonst gleichbleibenden Bedingungen ein Hinweis auf einen Rohrbruch sein.

Gefährlich sind vor allem Mikroleckagen, durch die über Tage oder Wochen Wasser in Wände und Decken fließt, bevor das Malheur entdeckt wird. Doch auch solche Schäden ließen sich heute durch die gesammelten Daten und eine Kombination aus Absperrung und Messung in verbrauchslosen Zeiten, beispielsweise mitten in der Nacht, erkennen, erläutert Mario Besseling.

Für Einfamilienhäuser entwickelt, für Gebäudekomplexe einsetzbar

Ursprünglich sind solche Wächter zunächst für den privaten Eigenheimbau entwickelt worden. Innovationen – vor allem durch die Digitalisierung – lassen laut Sanitärtechniker Besseling heute aber auch einen Einsatz in komplexen Systemen zu.

Dabei stehe am Anfang aber immer eine individuelle Risikoanalyse: In welchen Bereichen ist die Überwachungstechnik sinnvoll eingesetzt? Wo können automatische Absperrvorrichtungen eingebaut werden, wo nicht? In welcher Relation stehen Kosten und Nutzen? Diese Fragen erörtere man
gemeinsam mit den Kunden, berichtet Mario Besseling.

Geht es um den Einbau von Leitungsüberwachung im Bestand, stellen sich noch weitere Fragen. Nicht immer lasse sich da in einer vernünftigen Kosten-Nutzen-Relation eine engmaschige Überwachung aufbauen, schildert der Experte für digitale Sanitärtechnik. Mitunter sei es auch besser, erst bei einer Sanierung des Rohrsystems technisch „aufzurüsten“.

Eine einzige Bedienoberfläche für die gesamte Technik

Die Digitalisierung biete dabei noch vielfältige Möglichkeiten. „Unser Bestreben ist, dass Kunden die gesamte Gebäudetechnik über eine einzige Bedienoberfläche steuern können“, gibt er Einblicke in die Gedankenwelt der Planer. Deshalb wolle man sich mit der eigenen Technologie in offene Plattformen integrieren. „Denkbar ist, dass dann nicht nur der Haustechniker direkt vom Gerät eine Leckagemeldung auf das Smartphone bekommt, sondern auch ein Dienstleister in Kenntnis gesetzt wird, beispielsweise ein Handwerksunternehmen“, malt Mario Besseling aus. „Vieles lässt sich für alle Beteiligten als Win-win-Situation darstellen.“

Auch für Heizungssysteme und für die Hygiene in Wasserleitungssystemen sowie zur Kontrolle der Wasseraufbereitung können digitale Systeme eingesetzt werden. Damit stehendes Wasser in Leitungen nicht zur Brutstätte für Keime wird, messe die Technik Standzeiten des Wassers und Temperaturen. Würden die voreingestellten Werte überschritten, spüle das System automatisch die Leitungen durch.

 

Thorsten Engelhardt

thorsten.engelhardt@ecclesia-gruppe.de

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