Die Folgen eines möglichen Gas-Lieferstopps oder eines geplanten oder ungeplanten Strom­ausfalls beschäftigen das Gesundheitswesen und die Sozialwirtschaft erheblich. Das hat die Resonanz auf ein Webinar unserer Unternehmensgruppe zu diesem Themenkomplex ergeben. Einige Fragen aus dem Gesamtzusammenhang – unter anderem zu Obliegenheiten bei der ­vorübergehenden Stilllegung von Gebäuden oder dem Einsatz von mobilen Heizgeräten – haben wir an dieser Stelle bereits beantwortet. Hier fassen wir weitere wichtige Fragen und Antworten zur Sachlage noch einmal zusammen. 

Inwieweit können Unternehmen des Gesundheitswesens und der Sozialwirtschaft von einem Gasstopp betroffen sein?

Die Bundesnetzagentur schließt einen Lieferstopp für Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen aus. Allerdings ist nicht ganz klar umrissen, was unter Sozialeinrichtungen zu verstehen ist. Sicherlich wären Alten- und Pflegeheime nicht von einem möglichen Lieferstopp betroffen. Davon abgesehen führen bereits die gestiegenen Energiepreise zu dramatischen Auswirkungen, weil die Kapitalausstattung bei Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen nicht so ausgelegt ist wie in der Industrie, und die gestiegenen Preise nicht beziehungsweise nur beschränkt weitergegeben werden können. 


Sind Betriebsstillstände durch geplante Abschaltungen der Gasversorgung oder der Stromversorgung über die Betriebsunterbrechungsversicherung gedeckt?

In der Regel leider nicht. Denn eine Betriebsunterbrechungsversicherung setzt voraus, dass sich ein Sachschaden aufgrund einer versicherten Gefahr realisiert hat, also zum Beispiel ein Brand oder ein Leitungswasserschaden für die Betriebs­unterbrechung verantwortlich ist. Eine geplante Abschaltung der Strom- oder Gasversorgung ist keine versicherte Gefahr – und in der Regel kommt es bei einer Abschaltung auch nicht zu einem entsprechenden Sachschaden. Wenn es sich bei der Versicherung um eine sogenannte „Allgefahrendeckung“ handelt, ist Voraussetzung für den Versicherungsfall immer noch, dass ein Sachschaden aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses eintreten muss. Auch dabei muss also ein Sachschaden auftreten. Selbst wenn es einen solchen Schaden gibt, ist es aber fraglich, ob eine geplante Abschaltung ein unvorhergesehenes Ereignis darstellt. 

Die Versicherer schließen solche Deckungen kategorisch aus, weil solche großflächigen Abschaltungen der Versorgungs-Infrastruktur eine Vielzahl von gleichen Schäden nach sich ziehen (sogenanntes Kumulschaden-Risiko), die auch die Versicherungswirtschaft überfordern würden.

Versicherungsschutz kann bestehen, wenn es infolge einer Versorgungsunterbrechung zu einem Brand- oder einem Leitungswasserereignis kommt und an einer versicherten Sache ein Sachschaden entsteht. Voraussetzung ist unter anderem, dass die versicherte Gefahr (zum Beispiel Leitungswasser) eingeschlossen ist. 
 

Ist ein Ausfall der IT bei dem beschriebenen Szenario über die Cyberversicherung abgedeckt?

Auch hier besteht leider kein Versicherungsschutz. Deckungsvoraussetzung in der Cyberversicherung ist eine Beschädigung (inkl. Abhandenkommen), Beeinträchtigung oder nachteilige Veränderung der versicherten Daten infolge einer Informationssicherheitsverletzung beziehungsweise eines versicherten Ereignisses. Der Katalog der Informationssicherheitsverletzungen umfasst grundsätzlich nicht den Ausfall der Stromversorgung, sodass es sich nicht um einen versicherten Sachverhalt handelt. Darüber hinaus haben die meisten Konzepte einen Ausschluss für den Ausfall der öffentlichen Infrastruktur (unter anderem also auch der Versorgung mit Gas und Strom). In einigen Spezialkonzepten der Ecclesia Gruppe ist der unvorhergesehene Ausfall der internen Stromversorgung abgesichert, allerdings haben die diskutierten Szenarien ihre Ursache nicht in der internen Stromversorgung.


Gibt es einen Versicherungsschutz, wenn aufgrund mangelnder Kühlung oder Heizung durch einen Ausfall des Stroms oder der Heizenergie Ware verdirbt oder Medikamente nicht mehr nutzbar sind? 

Einige unserer Spezialkonzepte sehen insbesondere in der Elektronikversicherung eine optionale Kühlgutdeckung vor, ohne dass ein Sachschaden erforderlich ist, um den Versicherungsfall auszulösen. Über diese Konzepte kann Versicherungsschutz bis zur vereinbarten Entschädigungsgrenze bestehen.
 

Viele Verantwortliche denken darüber nach, die Wärmeversorgung über andere Energieträger wie Öl, Kohle oder Holz zu sichern. Was ist dabei aus versicherungstechnischer Sicht zu beachten?

Sofern die entsprechenden Sicherheitsvorschriften bei Lagerung und Nutzung erfüllt werden, stellt das aus der Versichererperspektive kein großes Problem dar. Aber es empfiehlt sich, mit ihrer Kundenberaterin oder ihrem Kundenberater in unserer Unternehmensgruppe Kontakt aufzunehmen, um zu prüfen, ob es mögliche Gefahrenerhöhungen gibt. Außerdem muss bei der Lagerung von Brennstoffen (zum Beispiel Diesel oder Öl) das haftungsseitige Umweltrisiko mit in Betracht gezogen werden. In Abhängigkeit von der Lagermenge ist der Haftpflichtversicherungsschutz zu prüfen. 
 

Gibt es Möglichkeiten, sich gegen einen Ausfall der Elektrizität zu wappnen?

Zu denken ist in dem Zusammenhang zum Beispiel an Netzersatzanlagen beziehungsweise Notstromaggregate. Aus technischer Sicht sollte hier darauf geachtet werden, dass die Geräte betriebsbereit, gewartet und geprüft sind. Im Hinblick auf den oft verwendeten Treibstoff Biodiesel muss daran gedacht werden, dass sich bei längerer Lagerung Mikroorganismen bilden, die möglicherweise die Kraftstoffleitungen in den Aggregaten verstopfen können. Auch Akkusysteme an den unterschiedlichen medizintechnischen Anlagen müssen auf Funktionsfähigkeit geprüft werden. 

Auf organisatorischer Ebene sollte geprüft werden, welche Bereiche an die Notstromversorgung angeschlossen sind und angeschlossen werden müssen. Zu denken ist dabei nicht nur an OP oder Überwachungsstationen, sondern auch an die Kühlbereiche oder die thermische Sterilisationsbehandlung. Denn es ist ja nicht auszuschließen, dass der Strom über einen Zeitraum von einigen Stunden abgeschaltet wird. Ferner sollte ein Notfallplan für dieses Szenario auch eine verstärkte Belastung der Notaufnahme und der Unfallchirurgie in Betracht ziehen.